Die vor über 4,500 Jahren erbaute Große Pyramide von Gizeh, Ägypten, ist das einzige verbliebene Bauwerk der Weltwunder der Antike, wie sie vom antiken griechischen Historiker Herodot beschrieben wurden. Obwohl es eines der am umfassendsten erforschten Gräber in der Geschichte der Menschheit ist, enthüllt es weiterhin neue Geheimnisse und Mysterien.

Im März 2023 machte ein internationales Forscherteam Schlagzeilen, als sie eine bisher unbekannte Kammer in der Cheops-Pyramide entdeckten. Diese Entdeckung ist besonders spannend, weil sie neue Einblicke in die Bautechniken und religiösen Praktiken der alten Ägypter geben könnte.
Bereits 2016 hatten Messungen Anlass zu der Annahme gegeben, dass im Bereich der Chevron-Blöcke über dem Eingang ein versteckter Hohlraum vorhanden ist. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben 2023 mit Ultraschall und Endoskopie einen wichtigen Beitrag zur Bestätigung dieser Vermutung geleistet. Der Status der ägyptischen Pyramide als eines der am besten untersuchten Bauwerke der Welt macht diesen Fund besonders wichtig.

Der Korridor – auf der Nordseite der Cheops-Pyramide – wurde vom internationalen Forschungsteam „ScanPyramids“ mit moderner Scan-Technologie entdeckt. Sie ist 9 Meter (fast 30 Fuß) lang und 2 Meter (über 6 Fuß) breit und thront über dem Haupteingang der Pyramide.
Vermutung bestätigt
2016 lieferten mehrere Messungen japanischer und französischer Forscher Hinweise auf die Existenz der Kammer. Seit 2019 ist die TUM-Forschungsgruppe mit an Bord und hilft, die Pyramide nach verborgenen Strukturen zu durchsuchen. Sie wenden verschiedene zerstörungsfreie Prüfverfahren an, die einen Blick in die Steinblöcke und die dahinter liegenden Bereiche ermöglichen.
„Die Pyramiden sind ein Weltkulturerbe. Das bedeutet, dass wir bei unseren Untersuchungen besonders vorsichtig sein müssen, damit wir nichts beschädigen. An der Cheops-Pyramide arbeiten wir mit Radar- und Ultraschallmessgeräten, die zerstörungsfrei und teilweise sogar berührungslos eingesetzt werden können“, sagt Prof. Christian Grosse, TUM-Lehrstuhl für Zerstörungsfreie Prüfung.
Kammer ist größer als erwartet
Die ersten Messgeräte vermittelten einen guten ersten Eindruck von der Situation. Die Wissenschaftler bestätigten die Vermutung dann mithilfe der Endoskopie. Das Team fand eine Öffnung zwischen den Steinen des Chevrons, einer massiven Steinkonstruktion, durch die sie eine Röhre in die Kammer führen konnten. Sie verwendeten dieses Rohr dann als Führung für ein endoskopisches Kameraobjektiv. Die Kamera bestätigte die Existenz des Hohlraums.

„Einen Hohlraum in einer Pyramide zu entdecken, ist schon etwas Besonderes. Aber die Tatsache, dass diese Kammer groß genug ist, um mehrere Personen aufzunehmen, macht die Entdeckung noch wichtiger“, sagt Prof. Grosse.
Die Kammer ist größer, als Forscher bisher angenommen hatten. Die ursprünglichen Messdaten deuteten auf die Existenz eines mindestens fünf Meter langen Korridors hin; nach ersten Schätzungen übersteigt die Länge der Kammer diese Länge jedoch erheblich. In der Kammer sind keine Fußspuren oder andere Hinweise auf menschliche Aktivitäten zu sehen. Die Forschungsgruppe geht also davon aus, dass dieser Raum seit etwa 4,500 Jahren von niemandem gesehen wurde.

Archäologen haben die Funktion der Kammer, die von außen nicht zugänglich ist, noch nicht geklärt. Im Jahr 2017 gaben Wissenschaftler die Entdeckung eines weiteren abgeriegelten Korridors bekannt, einer 30 Meter langen Kammer – oder etwa 98 Fuß – ebenfalls innerhalb der Cheops-Pyramide.
Laut den Forschern befinden sich am Ende der Kammer zwei große Kalksteine, was eine Frage offen lässt: Was liegt hinter diesen Steinen und unter der Kammer? Sie sagten auch, dass der Korridor möglicherweise entworfen wurde, um das Gewicht über dem Haupteingang oder um eine andere, noch unentdeckte Kammer herum zu verteilen.
Die Bedeutung der Entdeckung liegt nicht nur darin, den neuen Korridor zu finden, sondern hat auch wichtige Auswirkungen, die dazu beitragen können, langjährige Rätsel rund um die Große Pyramide zu lösen. Experten glauben, dass diese Implikationen Antworten auf Fragen zum Bau der Pyramide vor über 4,500 Jahren liefern können und wie sie mit der damals verfügbaren Technologie und den verfügbaren Ressourcen bewerkstelligt wurde.
Die ursprünglich am veröffentlichte Studie NDT & E International. März 02, 2023.




